Digitaler Stress

Wenn E-Mails zur Bedrohung mentaler Gesundheit werden

veröffentlicht am 14. März 2023

Studien zeigen, dass wir, je nach Tätigkeitsbereich, mit bis zu 85 neuen E-Mails pro Tag konfrontiert sind. Wer z. B. 30 Mails am Tag bekommt, wird durchschnittlich alle 15 Minuten in seiner Tätigkeit unterbrochen, bei 40 Mails alle elf Minuten und bei 50 Mails schon alle neun Minuten – und das ganz ohne andere Kanäle wie Whats- App, Anrufe etc.

Dabei wird schnell deutlich, das schlecht regulierter E-Mail-Verkehr einen wesentlichen Einfluss auf Produktivität und Aufmerksamkeit am Arbeitsplatz hat.

Warum haben E-Mails einen so großen Einfluss auf unser Wohlbefinden?

Verschiedenste Forschungsprojekte zeigen, dass der menschliche Organismus bei neu ankommenden Mails mit einem erhöhten Stresslevel reagiert. Je nach Persönlichkeitsstruktur ist dieses Stressempfinden verstärkt oder verringert. Eine mögliche Erklärung wird in der sozialen Veranlagung des Menschen gefunden. Es ist uns ein natürliches Bedürfnis, auf eine Kontaktaufnahme zu reagieren. Schaffen wir das nicht, so entsteht ein ungutes Gefühl – Druck baut sich auf, und das unabhängig davon, ob man die Mail sofort liest oder nicht.

Schlecht regulierter E-Mail-Verkehr hat einen wesentlichen Einfluss auf unsere Produktivität und Aufmerksamkeit am Arbeitsplatz.

Wie schütze ich mich und andere vor digitalem Stress?

Viele Klienten leiden darunter, dass sie, seit sie im Homeoffice sind, nicht mehr abschalten können. Sie wachen mitten in der Nacht auf und denken an die Arbeit. Beim Spazierengehen am Wochenende kreisen die Gedanken um die laufenden Projekte. Durch die immer mehr verschwimmenden Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben ist es bedeutend, klare Grenzen in der Kommunikation aufrechtzuerhalten.

Dazu einige Tipps:

1. Halten Sie sich bei der Kommunikation via Mail und Co. an den Gleitzeitrahmen (von 6:00 bis 20:00 Uhr). Mails an Wochenenden oder spätabends sind aus gesundheitlicher Sicht ein absolutes No-Go.

2. Erarbeiten Sie als Team gemeinsame Kommunikationsregeln zum Mailverkehr. Überlegen Sie, welche Erreichbarkeitsregeln und Abläufe zur Mailbeantwortung sinnvoll sind (z.B. ist jedes CC notwendig?).

3. Setzen Sie sich für die Beantwortung Ihrer Mails eigene Zeitslots und schalten Sie die Mailbenachrichtigung (Pop-Up) aus.

4. Bündeln Sie Informationen: Fassen Sie relevante Fragen/Informationen in einer Mail zusammen, um ein Hin und Her zu vermeiden.

5. Überlegen Sie sich, ob die E-Mail der richtige Kommunikationsweg ist oder eine Besprechung bzw. ein Telefonat besser wäre. Dies ist gerade bei schwierigen oder ange- spannten Themen empfehlenswert.